11.01.2026

Lithiumorotat Selbstversuch

Als Teil meines Slowager-Projektes (https://www.vitaminkompass.com/blog/projekt-slowager) starte ich einen Selbstversuch mit ca. 1 mg Lithiumorotat täglich (diese Dosis bezieht sich auf das reine, elementare Lithium ohne Orotat, das also noch hinzukommt)! Achtung: Dies ist KEINE allgemeine Empfehlung für eine Supplementierung mit Lithium, hierfür fehlen einfach noch die klinischen Daten. Also warum der Selbstversuch? Weil ich für mich persönlich beschlossen habe, dass unter Abwägung der Risiken einer niedrigdosierten Supplementierung ein solcher Versuch mit Blick auf die potenziellen gesundheitlichen Vorteile günstig erscheint. Let me explain:

Was ist Lithium überhaupt und wie wirkt es auf unsere Gesundheit? Lithium gehört zu den Leichtmetallen, es ist sogar das leichteste Metall überhaupt. Es kommt in Leitungswasser, Mineralwasser und auch so manchem Lebensmittel (Müsli, Fisch, Gemüse, Nüsse) in sehr geringen Mengen vor, ist aber (manche sagen: zu unrecht) nicht als lebensnotwendiges Spurenelement anerkannt. Der Softdrink "7up" enthielt einst Lithium, es heißt, der Name sei eine Anspielung auf Lithiums Atommasse (=7), während sich das "Up" auf die gehobene Stimmung beziehen soll, zu der das Getränk das Lithium angeblich verhalf.

Viele von euch werden wissen, dass Lithium therapeutisch bei bipolaren (manisch-depressiven) Störungen recht erfolgreich eingesetzt wird, allerdings betragen die Tagesdosen hier so um die 600 bis 1200 (!) mg Lithiumcarbonat, also wir sprechen über eine ganz andere Dosierungsdimension sowie auch über eine andere Verbindung. Als Medikament wirkt es zwar ganz gut, kann in dieser Dosis aber auch mit Schäden an den Nieren einhergehen. Was aber auf der positiven Seite interessant ist: Üblicherweise sieht man bei bipolaren Patienten erhöhte Demenzraten - nicht jedoch bei jenen Patienten, die mit Lithium behandelt wurden!

Aber es gibt noch viele weitere positive Beobachtungen. Beispielsweise sieht man in Regionen der Welt mit höheren Lithiumwerten im Trinkwasser unter anderem gesenkte Sterberaten (teils auch geringere Suizidraten und sogar eine geringere Kriminalität!). Eine aktuelle US-Studie ergab, dass (leicht) erhöhte Lithiummengen im Trinkwasser mit stark (!) verringerten Krebsraten einhergeht (https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2830452).

Warum sollte es diese positiven Befunde geben? Mehr und mehr Forscher argumentieren inzwischen wie folgt: Sehr generell könnte es sein, dass Lithium sehr wohl zu den lebenswichtigen Spurenelementen gehört, und wenn wir zu wenig davon abbekommen, führt das zu einem Mangelzustand in unserem Körper, mit allerlei negativen gesundheitlichen Folgen, die vom Immunsystem bis hin zum Gehirn reichen.

Sehr beeindruckend in diesem Zusammenhang ist eine neue Nature-Studie (https://www.nature.com/articles/s41586-025-09335-x), in der ein Team rund um den Harvard-Alzheimerforscher Bruce Yankner entdeckt hat, dass Lithium bereits in niedrigen Dosen vor Alzheimer schützen könnte. Lithium scheint nämlich in winzigen Mengen ganz natürlich im Gehirn vorzukommen (was einmal mehr für seinen Spurenelement-Status spricht!). Im Gehirn hilft der Mineralstoff offenbar dabei, das Gehirn stabil zu halten. Menschen mit frühen Gedächtnisproblemen und mit Alzheimer haben deutlich weniger Lithium im Gehirn. Dabei könnte es sein, dass die verhängnisvollen Amyloid-Ablagerungen, die man bei Alzheimer typischerweies im Gehirn sieht, das Lithium wie ein Schwamm an sich binden können, sodass dem restlichen Gehirn weniger „frei verfügbares“ Lithium übrigbleibt. Das Lithium kann dann im Gehirn nicht jene (noch weitgehend unbekannten) Funktionen übernehmen, die es sonst vermutlich übernimmt. Unter anderem fehlt bestimmten Immunzellen namens "Mikroglia" das Lithium. Mikroglia helfen unter anderem beim Beta-Amyloid-Abbau. Fehlt Lithium, können sie diese wertvolle Aufräumarbeit nicht mehr so gut verrichten. Die Folge ist eine Kettenreaktion: Es sammelt sich mehr Beta-Amyloid im Gehirn an, das noch mehr Lithium "verschluckt" - ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt. Setzt man gewisse Mäuse auf eine lithiumreduzierte Diät, entwickeln sie Demenzsymptome, die sich mit der Gabe von Lithiumorotat verhindern bzw. rückgängig machen lässt. Interessanterweise bindet Lithium in Form von Lithiumorotat weitaus weniger an Amyloid, sodass das Lithium weiterhin seine physiologischen Funktionen im Gehirn entfalten kann.

Siehe auch: https://hms.harvard.edu/news/could-lithium-explain-treat-alzheimers-disease

Und das informative Interview hier mit Bruce Yankner (der ebenfalls NICHT zu einem Selbstversuch rät!): https://www.youtube.com/watch?v=fl-X2FyfGcE

Erste Tests mit Lithium bei Menschen mit "leichten kognitiven Beeinträchtigungen" (MCI) erscheinen ebenfalls vielversprechend. Viele in der Longevity-Community lieben Lithium, denn es gibt Befunde, die zeigen, dass niedrigdosiertes Lithium die Lebensspanne von Hefezellen, Würmen und Taufliegen erweitert. Enttäuschend jedoch: In einer sorgfältig durchgeführten Studie an Mäusen konnte der Langlebigkeitseffekt nicht bestätigt werden (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/acel.13479).

Übrigens bedarf es vermutlich nur sehr geringer Dosen für einen positiven Effekt. Zum Beispiel legt die oben erwähnte US-Krebsstudie nahe, dass selbst in jenen Regionen mit den höchsten Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser, die geschätzte Lithiumzufuhr bei üblichem Trinkwasserkonsum von gut 1 Liter täglich maximal um die 0,2 mg beträgt, was also absolut gesehen immer noch eine ziemlich geringe Dosis ist.

Nochmals: Ich kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht meine Hand für eine allgemeine Supplementierungsempfehlung ins Feuer legen. Es gibt immer ein Risiko - wenn man etwas tun, aber auch wenn man etwas nicht tut. Gegenwärtig weiß niemand so genau, mit welchen Risiken und Nebenwirkungen man selbst bei einer so niedrig angesetzten Dosierung rechnen muss. Vor allem Schwangere sollten sich selbstverständlich AUF KEINEN FALL auf ein solches Selbstexperiment einlassen. In diesem Fall gibt es sogar eine dänische Studie an schwangeren Frauen, die ergab, dass deren Kinder bei höherer Lithiumzufuhr übers Trinkwasser ein erhöhtes Autismus-Risiko haben. Eine größere schwedische Studie beobachtete einen Zusammenhang zwischen den höchsten Lithiumwerten im Trinkwasser und einem um knapp 90 Prozent gesteigerten Riisko für psychotische Störungen (etwa Schizophrenie). Also, wenn meine zukünftigen Posts etwas wirr werden, wisst ihr Bescheid! Nein, im Ernst: Dies ist ein persönlicher Versuch aufgrund des beträchtlichen Potenzials. Betrachtet mich als euer Versuchskaninchen! Falls sich irgendwelche positiven bzw. negativen Effekte bemerkbar machen, werde ich berichten!