PROJECT SLOWAGER Hintergründe
Von einigen meiner Reisen in fremde, ferne Länder, ist mir etwas Schockierendes in Erinnerung geblieben: Die Zähne mancher der Einheimischen, verkümmerte, verrottete Zähne schon bei kleinen Kindern, goldene Schneidezähne bei Erwachsenen, manchmal keine Zähne. Es sind Bilder, die man bei uns praktisch nicht (mehr) sieht. Für uns ist es normal geworden, die Zähne frühzeitig zu pflegen. Schon unseren Babys geben wir Fluortabletten (zu Risiken und Nebenwirkungen dazu mehr in meinem bald erscheinenden Buch "Vitaminkompass"). Meine drei Söhne (6, 8 und 12) putzen zweimal täglich die Zähne, und wir gehen regelmäßig zum Zahnarzt zur Kontrolle. Das ist selbstverständlich. Wir kümmern uns, weil wir die Konsequenzen einer Vernachlässigung an den Zähnen schnell am eigenen Leib zu sehen und zu spüren bekommen: Unser Gebiss hält uns den Spiegel einer eventuellen Vernachlässigung unsererseits gnadenlos und zeitnah vor.
Das ist bei den meisten weiteren Organen unseres Körpers anders. Wie wir aus Autopsien von jungen Menschen wissen (die etwa durch einen Verkehrsunfall ums Leben kamen), zeigen viele schon in erschreckend jungen Jahren Anzeichen von atheriosklerotischem Plaque in ihren Gefäßen (US-Daten, aber ob es bei uns so viel anders ist?). Wir sehen diese innere Verkümmerung und Verwüstung nicht, wir spüren sie nicht, also kommen wir nicht auf den Gedanken, auch in diesem Fall schon präventiv vorzugehen: Unsere Gefäße frühzeitig pflegen und schützen wie die Zähne? Den meisten von uns käme diese Idee verrückt vor, grotesk ("Selbstoptimierung" auf die Spitze getrieben). Im Großen und Ganzen finden wir es normal, dass wir uns um die meisten unserer Organe nicht großartig, nicht systematisch kümmern. Und mit Kümmern meine ich: Selbst im Alltag täglich Verantwortung übernehmen + ärztliche Begleitung.
Warum ist das so? Wie normal ist das eigentlich? Liegt der Grund darin, dass unsere Gefäße unsichtbar für uns sind und robuster sind als die Zähne? Weil wir die Folgen nicht spüren, weil sie so schleichend kommen, erst nach Jahrzehnten so richtig bemerkbar machen (und dann nennen wir es "normale Altererung")?
Was ist wenn wir die Gefäße und deren Schäden sichtbarer machen könnten? Was, wenn wir nicht auf die Verkümmerung warten müssten, sondern schon im Vorfeld die Warnzeichen der Verkümmerung registrieren und dann zu Gegenmaßnahmen greifen würden? Oder wir würden noch früher einschreiten, noch präventiver, und Maßnahmen (wie Zähneputzen, regelmäßige Kontrollen) ergreifen, damit sich die Schäden erst gar nicht bilden …
Seit mehr als 10 Jahren – nach ersten Wehwechen im Alter von ungefähr 40 – verfolge ich diese eine Frage: Was kann ich selber tun, um möglichst gesund und fit alt zu werden?
Mein neues Buch "Vitaminkompass" fange ich mit einer Studie von Dean Ornish (https://www.ornish.com/) an, in der er und sein Team eine Gruppe von Menschen mit Alzheimer im Frühstadium oder der "Vorstufe" MCI (Mild Cognitive Impairment) auf ein umfassendes Lifestyle-Programm gesetzt hat: Ernährung radikal geändert, täglich Bewegung, Supplements, Entspannungsübungen, Krafttraining etc. Das faszinierende Resultat: Bei manchen Patienten konnten (im Gegensatz zur Kontrollgruppe mit Standardbehandlung) einige Symptome nicht nur aufgehalten, sondern sogar rückgängig gemacht werden. Eine Frau mit Alzheimer hatte das Lesen aufgegeben, weil sie sich schlicht nicht mehr an das letzte Kapitel bzw. die Hauptfiguren erinnern konnte. Nach ein paar Monaten auf dem Progamm fing sie wieder an zu lesen!
Das ist für mich ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht, die wir tatsächlich über unser gesundheitliches Schicksal auch im Alter haben. Wenn man den Menschen den Einfluss, den sie haben können, an konkreten Beispielen aufzeigt, inspiriert sie das zum Handeln, die Menschen bekommen ein Gefühl von "Agency", von Selbstwirksamkeit, Selbstermächtigung (wie ich es auch am Feedback zu meinen Büchern, wie dem Ernährungskompass erlebt habe).
Die Dean-Ornish-Studie demonstriert: Selbst zu einem recht späten Zeitpunkt können wir mit einer umfassenden Lebensstilveränderung – und das sogar bei Demenz – noch etwas Positives bewirken. Was Demenz betrifft, ist das selbst für mich eine ziemliche Überraschung!
Bei vielen anderen Leiden war es mir schon länger klar. Beispielsweise halten wir einen hohen Blutdruck im Alter für "normal«", für ein "übliches Alterungsphänomen", obwohl Studien an ungefähr 40 Naturvölkern mehr oder weniger unisono zeigen, dass diese Menschen auch mit 60 oft noch einen Blutdruck von, sagen wir, 110/60 haben. Vieles, was wir im Hinblick auf unsere Gesundheit im Alter für normal halten, erweist sich eher als Resultat unserer Entscheidungen, die wiederum von unserer Kultur maßgeblich mitbestimmt werden, von unserer Fastfood-Kultur, von einer Gesellschaft, in der man sich kaum noch zu bewegen braucht usw. Wenn man sich über diese Befunde im Klaren wird, offenbart sich einmal mehr die Macht, die wir über unsere Gesundheit haben.
Unser Gestaltungsraum ist somit weitaus größer als uns bewusst ist. Dabei habe ich selbst für meine eigene Gesundheit bisher "nur" auf die bekannten Lifestyle-Faktoren, wie Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress-Resilienz etc. gesetzt. Ich habe das Gefühl, dass ich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich diese Mittel erschöpft habe. Ich tue so ziemlich alles richtig, wie mir scheint, zugleich mehren sich die Zipperlein, und manchmal habe ich den Eindruck, mein Körper und meine Fitness würden mich allmählich mehr und mehr im Stich lassen …
Ich werde bald (in zwei Wochen!!) 53 Jahre alt, und es ist höchste Zeit, ein Level weiterzugehen, sprich: Auch die Strategien und Methoden der modernen Medizin miteinzubeziehen. Das heißt, einen Blick unter die Haube zu werfen, meinen Körper genauer zu analysieren, und bei Bedarf auch der Mittel der modernen Medizin mit einzubeziehen, um Krankheiten zu verhindern und fit zu bleiben.
Deshalb habe ich Kontakt mit der angesehenen Longevity-Klinik YEARS in Berlin aufgenommen, und zu meiner Überraschung waren sie gleich Feuer und Flamme für das Project Slowager, das mir vor Augen schwebt. YEARS sollte ein Teil meiner Healthy-Aging-Strategie werden. Das, was mich an dem Ansatz der YEARS-Klinik so fasziniert und überzeugt, habe ich dabei gerade auch im Vitaminkompass in folgender Illustration festgehalten:
Wenn man Illustration von rechts nach links "liest", kann man sagen: Die üblliche Medizin setzt bekanntlich im Großen und Ganzen erst bei der Behandlung spezifischer Krankheiten an, was natürlich wichtig, aber auch reichlich spät ist (zum Beispiel erst nach dem ersten Herzinfarkt oder der Alzheimer-Diagnose).
Der Ansatz der YEARS-Klinik dagegen setzt weitaus früher an, weiter links in der Grafik, zu einem Zeitpunkt, wenn die Gestaltungsmöglichkeiten (jene Macht, über die ich rede) vermutlich viel größer sind: Bei der Prävention dieser Krankheiten, wenn man diese noch überhaupt nicht spürt oder sieht, zumindest nicht mit dem bloßen Auge.
Daher die Instrumente, auf die man angewiesen ist, Mikroskope im weitesten Sinne, wenn man so will, MRT, Genetik, Mikrobiom, Ultraschall, Biomarker etc. Unter anderem für diese Untersuchungen, für diesen genaueren Blick in die Physiologie meines Körpers, habe ich Kontakt mit YEARS aufgenommen in der Hoffnung auf eine langfristig angelegte Kooperation. Das erste Ziel ist für mich dabei das Vermeiden von Krankheit und eine möglichst optimale Gesundheit – jetzt und mit Blick auf die Zukunft.
Gesundheit und vor allem Fitness oder Vitalität ist ja nicht nur die Abwesenheit von Krankheit. Ein zweites Ziel wäre also die eventuelle Optimierung von gewissen Fitnessparametern, aber auch dies vor allem mit Blick aufs Alter: Was kann, was sollte ich bereits heute für mein zukünftiges, 80-jähriges Ich tun? Zum Beispiel würde ich ein V02max-Training für sinnvoll halten, wenn sich ergeben sollte, dass ich mit meiner derzeitigen Kondition damit rechnen darf, im Alter 80 Jahren keine Treppen mehr steigen zu können.
Ganz im Sinne des heutigen Peter Attias geht es auch mir absolut nicht darum, ein Top-Athlet zu werden, sondern ein möglichst fitter, vitaler Achtzigjähriger, ein "longevity athlete" (und wenn auch das ein hartes Training und Disziplin erfordert, so be it). Wie aber trainiert man dafür? Was muss man dafür heute tun? Klar sind der Erhalt der Kondition, Muskelmasse und Stärke hier wichtig, aber gibt es darüber hinaus rigorose Studien, die einem den Weg weisen könnten? Ich meine, weiß irgendjemand wirklich, wie das ideale "Longevity-Training" aussieht? Ließe sich ein solches entwickeln?
Ein drittes Ziel (ganz links in der Grafik oben) wäre der Versuch, mit gewissen Strategien den Alterungsprozess als solchen günstig zu beeinflussen. Was steht uns hier zur Verfügung? Regelmäßiges Fasten? Welche sonstigen Interventionen würden sich hier anbieten? Für mich ebenfalls weitgehend offene Fragen …
Das höchste Level/Ziel – und vermutlich derzeit noch weitgehend Science-Fiction – würde aus meiner Sicht darin bestehen, einzelne Organe bzw. den Körper zu verjüngen. Ein V02max-Training könnte man auf einer gewissen Ebene vielleicht (beispielsweise der Mitochondrien-Ebene) womöglich ja bereits als eine Art von Verjüngung charakterisieren (Muskelzellen nehmen rein mit Blick auf die Mitochondrien einen Zustand an, der eher einer jüngeren Zelle ähnelt). Welche Möglichkeiten gibt es hier noch? Welche hat die Medizin hier zu bieten?
Bei einer so rigorosen Untersuchung, wie YEARS sie vornimmt, muss ich mich natürlich auch darauf gefasst machen, dass irgendwelche konkreten Störungen oder Krankheiten (oder Bedrohungen) auftauchen, die addressiert werden müssten.
Das wären grob skizziert einige der wesentlichen Ziele aus meiner Sicht. Nun kommt aber noch ein anderer Aspekt hinzu. Ich würde den ganzen Prozess gerne mit der einen oder anderen Social-Media-Aktivität begleiten wollen, mit dem Ziel, eine möglichst große Gruppe von Interessierten für diesen neuen medizinischen Präventiv-Ansatz zu begeistern. Schließlich würde ich die Erfahrungen, stark angereichert mit einer Übersicht über die wissenschaftliche Longevity-Literatur, in ein Buch mit dem Arbeitstitel "Kompass für Slowager" fließen lassen ...
Idealerweise könnte man über diesen Weg einen wertvollen Beitrag in unserer Gesellschaft dazu leisten, den Blick auf das, was viele Menschen heute noch als "normales Altern" empfinden (passives Abwarten, bis uns die Krankheit überfällt und dann behandeln lassen), fundamental zu verändern. Ich würde gerne das Gefühl vermitteln, dass es nicht absurd ist, auch das eigene Herz und die Gefäße, das Gehirn und den Rest des Körpers frühzeitig so zu pflegen und behandeln, wie wir das heute schon mit den Zähnen tun. Ein solcher Blickwechsel würde einen Shift in dem bewirken, was wir derzeit noch als »normal« empfinden. Ein Wahrnehmungs- und Empfindungshift, den heute noch nicht viele Menschen sehen, geschweige denn beherzigen. Das Slowager-Project würde eine "neue Normalität" ausloten, vorleben, ja man würde es herbeischaffen, aktiv die Zukunft, wie sie sein könnte, sein sollte, mitgestalten. Wie cool wäre das?
Kurz, ich freue mich total auf 2026, das für mich unter dem Stern PROJECT SLOWAGER steht. Letztlich würde ich langfristig gerne eine Art von Gesundheits- und Fitnessoptimierungsprogramm (vielleicht ist Vitalität das bessere Wort?) entwickeln, dass auf seriöse klinische Studien und dem Präventionsgedanken beruht. Ich persönlich kann mir kaum ein wertvolleres Projekt vorstellen (zu dem zumindest ich fähig bin). Ich glaube, es könnte für mich und viele andere Menschen lebensverändernd werden.